Dinge, die ich während des Studiums bis jetzt gemacht habe

Advertisements
Ein paar nette Bilder

Dinge, die ich bis jetzt beim Studium gemacht habe

Bild
Kategorie "Unwichtig"

Auf Kosten vom Kontext

Guten Abend, sehr geehrte Damen und Herren.

Gerade in den letzten Jahren wurde politische Korrektheit immer mehr ein Thema. Flüchtende aus anderen Erdteilen und Kulturen, das erstarkende Mitspracherecht von Minderheiten und die Veränderung traditioneller, konservativer Gesellschaftsstrukturen mit Hilfe des dynamischen Informationsaustauschs weltweit, den Internet und andere Medien ermöglichen. — Das sind Entwicklungen, die erfreulich oder beunruhigend sein können, aber vor allem bedeuten sie die Anfänge neuer Zeiten und Strukturen. Die sog. „politische Korrektheit“ hilft dabei, diese Strukturen nachhaltig prägen zu können, und zwar im Sinne möglichst aller Beteiligten. Und beteiligt sind alle.

Doch was genau ist politische Korrektheit? Gemeint ist damit nicht nur, politisch „richtige“ Entscheidungen zu treffen, sondern viel mehr, sich in der verbalen und gedanklichen Ausdrucksweise auf seine Mitmenschen zu besinnen. Als Beispiel: „Negerwitze“ — Was ist das Problem dabei? „Das ist doch nur ein Witz! Ich behandle deswegen doch Schwarze nicht schlechter! Ich kenne selbst einen Schwarzen, der darüber lacht!“, bekommt man gerade in den Kommentarspalten des Internets zu lesen. Es gibt viele Probleme bei „Witzen“ über Schwarze oder andere Menschengruppen, mir werden vermutlich nicht einmal alle einfallen! Allen voran steht die Verharmlosung. Es wird eben das suggeriert — es ist „nur ein Witz“. Klischees und bestimmte Sichtweisen werden kultiviert und normalisiert. Es ist gar nichts Neues mehr in solchen „Witzen“, dass Schwarze naiv, zurückgeblieben, tollpatschig, lüstern, dreckig und witzig sind. Eine ganze Menschengruppe in ihrer Diversität wird auf den Charakter einer albernen Cartoonfigur reduziert.
Dabei liegt der Witz gar nicht dabei, dass die Figur schwarz ist, sondern bei den Missgeschicken, die ihr widerfahren; bei einem Wortspiel; bei einem unerwarteten Twist der Handlung oder beim Gedanken an den Charakter der Ulk-Figur, der in den Schwarzen hineingelegt wird. Das ist auch der Grund dafür, weshalb sich hin und wieder selbst schwarze Menschen über derartige „Witze“ amüsieren können. Mal ganz davon abgesehen, dass die Notwendigkeit solcher „Witze“ höchst fragwürdig ist, kann man einfach Witze anderen Inhalts machen oder es ganz sein lassen.

Wenn man jedoch den Blick auf Communities von Schwarzen oder anderen Minderheiten richtet, wird man verdutzt feststellen, dass einige dieser Menschen untereinander rassistisch anmutende Witze machen oder eigentlich diskriminierende Begriffe verwenden. In den U.S.A. nennen sich manche Afroamerikaner „Nigger“ und einige Schwule beschimpfen sich scherzhaft als „Homo“. An diesem Punkt gibt es viele Menschen, die verärgert „Die machen das doch selber! Dann dürfen wir das auch!“ rufen. Aber sie haben Unrecht. Es gibt viele Faktoren, die darüber entscheiden, was man zu wem oder über wen sagen darf, aber allen voran ist die Intention entscheidend. Wie Herr Ludwig Wittgenstein in seinen „Philosophischen Untersuchungen“ herausgestellt hat, gibt es nicht nur den Satz als logisches Konstrukt, sondern auch den illokutionären (nicht tatsächlich gesprochenen) Sprechakt, der sich aus Dingen wie dem Kontext, der Mimik und Gestik, der Sprachmelodie usw. besteht. Wenn sich Schwule mit „Homo“ oder „Schwuchtel“ anreden ist (in den mir bekannten Fällen) die Ironie deutlich am Tonfall zu hören. Außerdem ist der Kontext der Situation immer so, dass es in einem vertrauten Umfeld geschieht, und nicht für die anonyme Öffentlichkeit bestimmt ist.
Was das besonders im Rap und HipHop populäre „Nigger“ betrifft, ist es nicht die Ironie, die innerhalb der Community das Wort „entschärft“, sondern die Bedeutungsverschiebung. Das Wort „Nigger“ ist besonders zu Zeiten der Sklaverei für schwarze Sklaven gebraucht worden und hatte eine vergleichbare Assoziation wie „Abschaum“. Womöglich fing es dann, nachdem die Sklaverei offiziell abgeschafft war und die schwarze Bevölkerung der U.S.A. freier (natürlich nicht ganz frei) ihre Kultur leben konnte, damit an, dass sich Schwarze mit ähnlicher Ironie „Nigger“ nannten, wie die Schwulen im oben genannten Beispiel. Vielleicht ist es aber auch aus einer Trotzhaltung heraus gekommen: „Wir sind also der Abschaum? — Okay! Dann sind wir der Abschaum, aber wir sind stolz auf uns!“ Es ist keine per se feindselige Trotzhaltung, sondern das Ausprägen einer gesunden Resistenz gegen die Provokationen einer Gesellschaftsstruktur, die einem grundlos feindlich gesinnt ist. Wenn jemand, der jedoch nicht aus dieser Community kommt (ganz gleich welcher Hautfarbe) einen Schwarzen, den er nicht kennt, „Nigger“ nennt, ist das immer degradierend. Es ist auch nicht angenehm „Freund“ von jemandem genannt zu werden, bei dem das nicht der Fall ist. „Pass mal auf, mein Freundchen!“ — Dieses Beispiel zeigt schon, dass man natürlich auch immer Glück haben kann, und an eine Person gerät, die kein Problem damit hat, die sich keine Gedanken darüber macht oder die es auf eine wohlwollende Art aufnimmt. Genauso, wie es möglich ist, dass man als einziger Weißer in einem Freundeskreis von Schwarzen von ihnen aufgefordert wird, sie auch „Nigger“ zu nennen, was in dem Fall wie „Kumpel“ gebraucht wird. Dennoch ist man immer auf der sicheren Seite, wenn man fremden Menschen möglichst sachlich begegnet. Und man bekommt damit nicht automatisch das Recht, auch Schwarze, die einem fremd sind, so zu nennen, wie man will. Wie gesagt, es ist immer eine Frage des Kontextes.

Zusammenfassend kann man auf das Prinzip des vorurteilsfreien Denkens verweisen, was seit längerem von der Ethik gepredigt wird und (hierzulande) eigentlich auch in vielen Kindergärten und Schulen jungen Menschen rudimentär nahegelegt wird. Natürlich kann es immer sein, dass sich Vorurteile bestätigen, aber diesen Raum muss man ihnen lassen. Man weiß es nie, bevor es nicht eingetreten ist.
Und selbst, wenn man die gefühlten Vorurteile möglicherweise nicht ablegen kann, besitzt man als Mensch die Fähigkeit, seine Emotionen zu reflektieren und auszuwerten, inwiefern sie für die tatsächlich umzusetzenden Aktionen relevant sind.

Dieses Jahr hat ein deutscher Comedian behauptet, man müsse über Minderheiten Witze machen dürfen, da es diskriminierend wäre, wenn man über alle Menschen Witze macht, außer diese Minderheiten. Erst wenn über jeden Menschen gelacht werden kann, wird keiner mehr diskriminiert, ist seine Meinung. — Das ist grundfalsch. Der Unterschied zwischen Witzen mit „durchschnittlichen“ Menschen und Witzen über Minderheiten ist der, dass im ersteren Fall es keine Rolle spielt, welcher Klasse, Rasse, Sexualität usw. die Protagonisten des Witzes sind, während in jenen anderen „Witzen“ gerade diese Aspekte gerade der (nicht gerade rühmliche) Aufhänger sind. Dabei übersieht dieser Comedian ein wichtiges Detail: Witze über jemanden sind immer auf Kosten von jemanden. „Man muss auch mal über sich selbst lachen können!“ — Vielleicht können Sie das ja, aber manch einer kann oder will das nicht. Und dazu kann und muss man auch niemanden zwingen. „Lach doch mal darüber, dass du übergewichtig bist, keine Freunde hast, bei dir Krebs diagnostiziert wurde, du dich umbringen wolltest oder du depressiv bist!“ — Diese krassen Beispiele halten es deutlich vor Augen, dass es nicht immer angebracht oder einfach ist, über Leid zu lachen. Selbst wenn man es lustig aussehen lassen kann, wie jemand in einem Cartoon am Galgen baumelt … Auch da liegt aber die Pointe nicht dabei, dass ein Mensch leidvoll sein Leben verloren hat, sondern bei der Art der Darstellung (wie oben schon beschrieben).

Ein ganz anderes Problem tut sich auf, wenn man einen Blick auf die erstarkten Communities diverser Minderheiten blickt. Besonders sollten Blicke auf die Rhetorik und die Voraussetzungen für das Teilhaben an solchen Communities gerichtet werden. Wichtig sind dabei Fragen, wie „Dürfen auch heterosexuelle Menschen sich für Menschen anderer Sexualitäten engagieren und interessieren? Weiße für Schwarze? Männer für Frauen? Dürfen die, die keine Repressalien erleiden müssen, an Vereinigungen teilhaben, die eigentlich für Menschen einer anderen Gruppe angelegt sind?“
Ein Beispiel, welches mir konkret vorliegt, ist zwar nicht drastisch, aber veranschaulicht das Problem sehr gut. Es handelte sich um einen „Mädchenflohmarkt“. Was ist damit gemeint? Ein Flohmarkt, der für die Zielgruppe Mädchen/Frauen ausgerichtet ist. Was sind die Probleme dabei? Die Sachen, die bei diesem Flohmarkt zu kaufen sind, sind „Sachen für Mädchen“, das heißt, ein bestimmter Kleidungsstil; eine bestimmte Kultur wird als „weiblich“ definiert. Im Umkehrschluss sind diese Sachen „nicht männlich“ oder zumindest „nicht unisex“. — Natürlich kann man einwenden „Da steht doch nirgendwo, dass Männer verboten sind!“ Jedoch ist es, wie beim „Mädchen-Ü-Ei“  o.ä., die unterschwellige Rhetorik, die einem als Junge oder Mann deutlich macht, dass man höchstens als Begleitung für Mädchen/Frauen hier erwünscht ist. „Mädchenflohmarkt“ — Wenn keine Mädchen verkauft werden und nicht nur Dinge an Mädchen verkauft werden, warum sollte er sonst so heißen? „Mädchensachenflohmarkt“ wäre schon präziser, auch wenn es sich immer noch auf die traditionell als „weiblich“ festgelegte Kleidung beziehen würde. Zumindest wäre jedoch deutlich, worum es sich handelt, ohne andere Menschengruppen auszuschließen.
Natürlich kommt einem an dieser Stelle sofort in den Sinn, dass die Gesellschaft vor einigen Jahren in einem ernsteren Zusammenhang weibliche Menschen von vielen Aktivitäten und Ämtern ausgeschlossen haben und dass es nur ausgleichend wäre, wenn jetzt auch Männer ausgeschlossen werden dürfen. Damit legt man jedoch nur den Grundstein für neuerliche Bildung von gesellschaftlichen Normen und Dogmen. Und verpasst die große Chance, wie schon oben geschrieben, diese Strukturen nachhaltig prägen zu können, und zwar im Sinne möglichst aller Beteiligten.
Und mal ganz davon abgesehen, dürfte es auch nicht allzu schwer sein, den Wortgebrauch etwas zu reflektieren und leicht zu verändern.

Ein Weg, der weg von dieser ausschließenden Rhetorik führen kann, ist ganz einfach nicht die Gruppe zu benennen, für die der Flohmarkt/die Dienstleistung/die Community/usw. gedacht ist, sondern den Sachverhalt, der angeboten/thematisiert wird. Dadurch würde es letztendlich automatisch dazu kommen, dass bspw. eher Frauen sich Tampons kaufen werden oder eher Schwarze bei einer „black rights“-Gruppe beitreten, aber die Ausnahmen, die Interesse haben oder nur indirekt betroffen sind, könnten sich ebenso frei und unbefangen damit befassen.

Glücklicherweise ist dieses Problem deutlich kleiner und weniger schwerwiegend, als das im ersten Abschnitt angesprochene Problem der tiefsitzenden konservativen Perspektive und der Ignoranz.

In diesem Sinne:

Hinterfragen Sie jegliche Dogmen! Sie können sich jederzeit als falsch und ungeeignet erweisen.

Betrachten Sie Menschen nicht als Massen, sondern als Individuen und Subjekte! Denn eine Masse entsteht nur bei Berücksichtigung weniger gemeinsamen Merkmale und ignoriert klaffende Unterschiede.

Verallgemeinern Sie nicht! Verallgemeinerung schafft Klischees und Feindbilder.

Denken Sie nachhaltig! Sowohl sozial, als auch ökologisch und ökonomisch. — Für einen kurzen, großen Erfolg zu riskieren, Feinde zu bekommen, die Umwelt zu zerstören oder in der Zukunft größere Misserfolge zu haben, ist nicht nachhaltig und auf Dauer unangenehm.

Passen Sie Ihr Verhalten immer auf den Kontext bzw. die Situation an! Das selbe Verhalten kann von verschiedenen Subjekten sehr verschieden aufgefasst werden.

Lassen Sie sich nie nur von Ihren Emotionen leiten! Emotionen sind noch trüglicher als Gedanken. Rache z.B. schafft nur mehr Probleme, als sie löst.

Lassen Sie sich nie nur von Ihren Gedanken leiten! Immerhin hängen Gedanken und Emotionen zusammen. Und wozu sollte man sich mit Hilfe der Gedanken ein gutes Umfeld schaffen, wenn man es nicht mit den Emotionen auskosten würde?

Hinterfragen Sie auch diesen Text und ziehen Sie andere Beispiele und Erfahrungen hinzu!

 

Mit frohem Gruße – Ihr Herr Jonas IV.

Standard

Paint Aktbilder 4 Paint Aktbilder 2 Paint Aktbilder 1 Paint Aktbilder 3

Ein paar nette Bilder

Aktzeichnen mit Paint

Bild
Ich in der Uni

Bei der Planung eines sog. „Fan-Zines“

Ein paar nette Bilder

In der Uni

Bild

wise goblin always tells truth

Ein paar nette Bilder

The Wise Goblin Always Tells The Truth

Bild
Kurze Gedanken

Ich habe mich nun schon lange Zeiten nicht mehr hier auf WordPress blicken lassen. Vielleicht schon länger als ein Jahr.
Es haben sich viele Dinge geändert, aber das ist ja sowieso der Fall, selbst wenn man manchmal salopp meint, es habe sich doch rein gar nichts verändert.
Ich bin nicht mehr unpolitisch und ich war es auch früher nicht, selbst wenn ich Wert darauf legte, das zu betonen. Es ist bloß so, dass ich mich keiner speziellen, existierenden politischen Richtung zuordnen kann und möchte.
Außerdem studiere ich nun und höre mehr Musik.
Das Studium mit all seinen neuen Aspekten und Persönlichkeiten wühlt derzeit sehr in meinen Emotionen und Gedanken. Selbstbetrachtung und stark stagnierendes Selbstwertgefühl bestimmen wieder öfter meine Gefühlswelt. Aber auch das ist, aus einer gewissen Distanz gesehen, nicht von Dauer und ich versuche es gelassen zu sehen.

Jedoch ist jedes Wort, was ich lieber nicht gesagt hätte, jedes Lachen oder Geräusch, was ich lieber nicht gemacht hätte, jede unvorteilhafte Äußerlichkeit und Körperhaltung zurzeit etwas, was eine Art Selbsthass in mir schürt. In Kombination mit dem Bewusstsein meiner eigenen grundsätzlichen Bedeutungslosigkeit geißelt dieser Selbsthass meine Psyche, wenn ich wieder alleine bin und den Tag Revue passieren lasse. Jemand hat mich ignoriert, gemieden? Ich bin langweilig. Jemand hat mir einen abschätzigen Blick zugeworfen, nachdem ich was gesagt habe? Ich bin nervig oder beleidigend. Jemand guckt betroffen beiseite, nachdem ich lachen musste oder etwas witziges(?) gesagt habe? Ich will mit pseudo-witzigen Kommentaren Aufmerksamkeit.
— Haben sie Recht? Habe ich Recht, wenn ich denke, dass sie so denken? Denken sie überhaupt so viel darüber nach?

Und schon werfe ich mir selbst abfällige Blicke zu. Ich bin scheinbar in einen psychologischen Komplex getappt, aus dem man schwer selbst heraus kommt. Man muss sich wie Münchhausen am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen.
Dieser Text hat hoffentlich etwas zur Übersicht verholfen und ist zumindest ein Schritt in die richtige Richtung. Sicherlich besser als bloße Passivität. Wenn man im Dickicht steckt, muss man sich weiter hindurchkämpfen. Vom Warten wird es nur noch dichter und undurchdringlicher.

So viel persönliches. Ich hoffe, es belastet oder langweilt potenzielle Leser nur in Maßen.

Vielleicht kommen jetzt bald wieder einige Beiträge von mir.

Liebes Internet

Kurzmitteilung

Bedeutungslosigkeit

Ein paar nette Bilder

Bedeutungslosigkeit

Bild